8.3.2021: Weltweit beginnt vor Ort – Forderungen zum Internationalen Frauentag

Anlässlich des Internationalen Frauentags fordert das Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg die Ausweitung historischer Forschung über das Leben frauenliebender Frauen in Südwestdeutschland und eine vielfältige und gerechte Landespolitik durch mehr Frauen im Landtag.

Am 8. März erheben Frauen weltweit ihre Stimme gegen Frauenfeindlichkeit und Sexismus. Sie engagieren sich gegen Gewalt und die Durchsetzung ihrer Rechte. Selbstverständlich gehören lesbische, bisexuelle, transsexuelle, transgender, intersexuelle und queere Mädchen und Frauen dazu. Sie bringen wichtige Perspektiven ein und sind aktiv in vielen gesellschaftlichen Zusammenhängen. Daher ruft das Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg dazu auf, am Internationalen Frauentag sichtbar die Forderungen von Frauen – innerhalb der Community und innerhalb der Frauenbewegung wie auch in der Gesellschaft – zu verstärken.

Das Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg fordert das Ende gegenwärtiger Diskriminierung aber auch ernsthafte Schritte, um das in der Vergangenheit auch an lesbischen, bisexuellen, transsexuellen, transgender, intersexuellen und queeren Mädchen und Frauen begangene Unrecht zu benennen, historisch zu dokumentieren und sichtbar werden zu lassen. Wie positiv dies gelingen kann, zeigt eine im Januar 2021 veröffentlichte Forschungsarbeit aus Rheinland-Pfalz. Im Auftrag des Landes wurde erforscht, welches Unrecht Müttern mit lesbischen Beziehungen bei Sorgerechtsentscheidungen und ihren Kindern in der Bundesrepublik bis weit in die 1990er Jahre hinein angetan wurde. Die Studie belegt erstmalig die systematische Diskriminierung lesbischer Mütter in der Rechtsprechung, welche für die neue Demokratie nach 1945 beschämend war und Unsichtbarkeit gezielt forcierte. Angesichts der leidvollen Befunde hat sich die Frauen- und Familienministerin von Rheinland-Pfalz Anfang dieses Jahres ausdrücklich bei den betroffenen Frauen, bei ihren Kindern und Familien für das begangene Unrecht entschuldigt.

„Wir brauchen derartige grundlegende Forschung auch für Baden-Württemberg“, so Susanne Hun vom Sprechendenrat des Netzwerks LSBTTIQ Baden-Württemberg, „und begrüßen die ersten Schritte, die derzeit begangen werden.“ Das Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg sieht einen hoffungsvollen Anfang darin, dass vom Wissenschaftsministerium im Dezember 2020 ein erstes Forschungsprojekt von Baden-Württemberg an die Universitäten Heidelberg und Freiburg in Auftrag gegeben wurde. Dies wird erstmalig Licht in das Dunkel über die Verfolgung frauenliebender Frauen und lesbischer Lebenswelten bringen, wie sie hier im Südwesten in den 20er bis 60er Jahren des letzten Jahrhunderts stattgefunden hat. Wichtig sind weitere Forschungsprojekte. Das Netzwerk begrüßt, wenn zeitnah weitere Forschungen beauftragt werden. "Solange noch Zeitzeuginnen leben, sollte dringend damit begonnen werden, die Erfahrungen von Müttern mit lesbischen Beziehungen in Sorgerechtsprozessen an Baden-Württembergischen Gerichten sichtbar aufzubereiten", unterstreicht Janka Kluge, ebenfalls Sprechende für das Netzwerk.

Dass das Frauenbild der Nachkriegszeit auch heute noch Auswirkungen hat, zeigt sich an der Zusammensetzung unseres Landtags. Aufgrund veralteter Wahlgesetze hat Baden-Württemberg seit Jahrzehnten bundesweit den niedrigsten Frauenanteil im Landtag. Dort regieren seit über 70 Jahren mehrheitlich heterosexuelle Männer gehobenen Alters. Dies schadet einer lebendigen Demokratie. Umso eindringlicher muss am 8.März daran erinnert werden, dass die politische Partizipation von Frauen in Baden-Württemberg ungenügend verwirklicht ist – gerade in diesem Jahr, wenn wieder alle aufgerufen sind, sich für eine Zukunft in Vielfalt stark zu machen. Lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transgender, intersexuelle und queere Menschen des Netzwerks LSBTTIQ Baden-Württemberg unterstützen die politischen Forderungen nach einem gerechteren Landtagswahlgesetz, um die Chance zu erhalten, mehr Frauen in all ihrer Vielfalt in den Baden-Württembergischen Landtag wählen zu können.

Es gibt viele Gründe am 8. März öffentlich sichtbar die gerechte Teilhabe auch für Frauen zu fordern. Austausch dazu ermöglichen auch Veranstaltungen von Mitgliedern des Netzwerks wie beispielsweise:

 

 

Über das Netzwerk Das Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg ist ein überparteilicher und weltanschaulich nicht gebundener Zusammenschluss von lesbisch-schwul-bisexuell-transsexuell-transgender-intersexuell und queeren (LSBTTIQ) Gruppen, Vereinen und Initiativen. Das Netzwerk zeigt damit bereits die Vielfalt und die Vielgestaltigkeit von Geschlecht und sexueller Orientierungen. Ziel des Netzwerks ist es, die Zusammenarbeit der verschiedenen LSBTTIQ-Mitgliedsgruppen auf Landesebene zu fördern und den Erfahrungsaustausch zu intensivieren, zu zentralen Themen gemeinsame Positionen zu erarbeiten und gegenüber landespolitischen Entscheidungstragenden zu vertreten. Dabei greift das Netzwerk auf die vorhandenen Kompetenzen und Expertisen der Mitglieder zurück. Die Bündelung der Aktivitäten vor Ort erbringt Synergieeffekte, die den gesellschaftlichen Beitrag der Mitgliedsgruppen wirkungsvoller gestaltet. Die Eigenständigkeit jedes Mitglieds wird respektiert und alle Mitglieder arbeiten gleichberechtigt.

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LSBTTIQ: Die Abkürzung steht für einzelne Richtungen in der vielfältigen Regenbogen-Gemeinschaft – lesbisch (L), schwul (S), bisexuell (B), transgender (T), transsexuell (T), intersexuell (I), queer (Q).

 

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